Indien trifft auf Schwarz und Weiß

Vor rund fünf Jahren haben wir uns endlich an unseren, lange geplanten, Hausumbau gewagt. Dabei wurde nicht nur fast der gesamte Bestand erneuert, sondern auch der früher ungenutzte Dachboden zu einem weiteren Wohngeschoß ausgebaut. Aufgrund der Bebauungsdichte und des Grenzabstandes entstand dabei auch eine süd-ostseitige Dachterrasse. Das neue Dach wurde ein Pultdach, die nordseitig Mauer ist dabei mit 1,70m eher nieder, die südseitige hat eine Höhe von über 3m. Aufgrund der niedrigen Höhe auf der einen Seite ist das Anbringen einer Markise allerdings nicht möglich.

Bisher hatten wir auch auf der Bestandsterrasse keine Markise sondern mit einem großen Sonnenschirm beschattet. Das war auf dieser Terrasse, die einen Stock tiefer, weniger exponiert liegt und auch größer ist, durchaus praktikabel. Auf der Dachterrasse hatte ich aber selbst beim kleinsten unserer Schirme, schon im abgespannten Zustand Bedenken ob er den Windböen bei unseren Sommergewittern standhält, geschweige denn, dass er auf dem Boden bleibt, wenn ihn im aufgespannten Zustand mal ein Windstoß erwischt. Fliegende Sonnenschirme sind für mich ja schon am Strand ein Horror, da will ich mir einen, vom zweiten Stock unseres Hauses, fliegenden gar nicht vorstellen.

Da wir auf dieser Terrasse aber nicht nur eine Sonnenliege zum Lesen, sondern auch eine Tischgruppe für das eine oder andere Frühstück haben, ist ein Schattenspender notwendig. Außerdem liebe ich es im Frühling am Vormittag dort zu arbeiten, dafür benötige ich aber einen Blendschutz.

Es gibt zwar mittlerweile Lösungen von verschiedenen Markisenanbietern, bei denen Fixe Steher montiert werden und die dann in nahezu jeder Situation verwendbar sind. Preislich sind die aber in der Liege einer großen, hochwertigen Kassettemarkise und das ist uns für die selten Nutzung dann doch zu viel. Also blieben wir bei der Sonnenschirmvariante, mussten aber schnell feststellen, dass der Schatten, für unsere mittlerweile fünfköpfige Familie, irgendwie immer zu klein war. Ich habe daher begonnen mit Sonnensegeln zu experimentieren. Sowohl der Dachausbau als auch das Geländer, bestehen aus einer Rauten Schalung, wodurch ein provisorisches Anbringen mit Schnüren relativ leicht an allen Stellen möglich war.

ERSTER VERSUCH – Ein gekauftes dreieckiges Sonnensegel
Egal wie ich es hängte, der Schatten war fast noch kleiner als beim Schirm.

ZWEITER VERSUCH – ein altes großes Leintuch
Der Schatten war gut, allerdings ging es an der Brüstung viel zu tief nach unten, sodass man gut am Tisch sitzen aber nur noch sehr gebückt am Tisch vorbei gehen konnte.

DRITTER VERSUCH – ein aus ein paar Laufmeter dünnem Markisenstoff und Bambusstöcken selbst bebaute Art Pavillon
Schatten und Bewegungsfreiheit waren gut, es war allerdings ein wenig umständlich beim auseinander- und zusammenschieben. Das größte Manko war aber das Regenwasser, das sich in den Falzen sammelte. Es tropfte zwar nicht durch, ergoss sich aber regelrecht auf einen, wenn man die Konstruktion dann irgendwann entfalten wollte.

Im letzten Corona-Frühling hatte ich mehr Zeit als sonst, mich mit Haus und Garten zu beschäftigen und dabei ist nun endlich eine praktikable Lösung entstanden.

Um die Neigung des Sonnensegels, das nun ein großes, relativ dünnes Tuch ist, flexibler zu gestalten, habe ich mir zwei Steher gebaut. Diese bestehen aus zwei relativ robusten, aber trotzdem leicht biegsamen Pflanzstangen die ich in Blumentöpfe einbetoniert habe.

Ich habe dafür vorhandene Plastiktöpfe von gekauften Pflanzen verwendet und die Löcher im Boden mit Klebeband verschlossen. Man kann aber natürlich jegliches Gefäß verwenden, es sollte nur oben konisch auseinander gehen, damit man den Beton auch wieder herausbekommt. Die Pflanzstange habe ich mittig hineingestellt und den Topf mit Beton ausgegossen. Über den Topf habe ich dann links und rechts von der Stange, in quer und längs Richtung, also im Kreuz, einen breiten Klebebandstreifen über den Topf “gelegt” und jeweils am äußeren Topfrand festgeklebt. So war die Stange in der Mitte relativ gut fixiert und konnte nicht wegrutschten.

Den ganzen Aufbau habe ich unserer Garage gemacht, dort konnte ich die Stange oben an den Rollkasten vom Garagentor lehnen. Ich habe dann den Topf so lange verschoben und mit der Wasserwaage nachgemessen, bis die Stange auch geradestand und dann das Ganze auch oben mit einem Klebeband fixiert. Die Wasserwage sollte man dabei von allen Seiten mehrmals anlegen, damit es später auch wirklich gerade ist. Erst nach dem vollständigen Fixieren habe ich den Beton vorsichtig aber dafür umso länger gerüttelt und geklopft. Bei mir stand der Topf außerdem auf einer Styroporplatte. Das ist einerseits sinnvoll, weil eventuell auslaufendes “Betonwasser” nicht den Boden verschmutzt, aber vor allem weil man den Topf so zum ausrichten leichter hin und her schieben kann.

Nach dem der Beton leicht angetrocknet war habe ich eine Ringschraube und einen Haken in die Oberfläche “geschraubt” und dann alles zwei Tage gut durchtrocknen lassen. Nach dem Trocknen habe ich am oberen Ende der Stange ebenfalls eine Ringschraube angebracht. Das ging ganz leicht, weil meine Pflanzstange eine Plastikabschlusskappe hat, die Kreuzförmig eingeschlitzt ist. Die Ringraube war gerade ein wenig dicker als diese Schlitze, sodass ich sie richtig in das Plastik hineinschrauben konnte. Damit sie aber auch unter Zug hält, habe ich sie noch mit Draht fixiert. 

Eine alte Wäscheleine läuft nun im Kreis durch die geschlossenen Haken. Die beiden Enden der Leine sind überhängend und haben an mehreren Stellen verknotet, sodass dort jeweils Fixierungsschlingen entstehen. Ich kann nun durch Ziehen an der einen oder anderen Seite die Leine rauf- und runterbewegen und mit den Fixierschlingen im offenen Haken einhängen. In die Wäscheleine habe ich eine Metallöse geknotet, in die ich einen Karabiner einhängen kann, der am Segel befestigt ist. 

So kann ich jetzt also mein Segel auf der Seite des Terrassengeländers in die beiden Ösen einhängen, ziehe dann an der Leine die Öse mitsamt dem Segel nach oben und habe drei Positionen (stark gesenkt für die Morgensonne, etwas geneigt für vormittags, ganz oben für ab mittags) in denen ich das ganze fixieren kann. Damit die Steher unter Zug bzw. Wind nicht umkippen, habe ich sie am oberen Ende des Terrassengeländer mit einem Band fixieren.

Auf der anderen Seite, der Hauswand, konnte ich die Metallösen einfach mit einem Stück Wäscheleine an die Rauten Schalung knoten. Dort benötige ich auch keine Flexibilität in Bezug auf die Neigung des Segels. Damit es hübscher aussieht, wenn das Segel gerade nicht verwendet wird, habe ich jeweils ein paar Muscheln angeknotet.

Das Tuch ist nicht komplett gespannt, wodurch der Wind auch hineinblasen kann. Es bewegt sich dann natürlich, blast sich nach oben auf, aber bis jetzt hat es nicht den Anschein gemacht, als ob irgendetwas reißen würde. Bei sehr starkem Wind, nehme ich es natürlich ab. Was mich an dieser Konstruktion am meisten freut: Genau das Abnehmen oder umgekehrt das Aufspannen geht einfach und sehr schnell.

Nachdem dieses Projekt fertig war und so wunderbar funktioniert hat, hatte ich eine solche Freude, das ich mich endlich auch einmal richtig mit der Terrasse beschäftigt habe. Sie hat also auch gleich noch passende Pölster für die Sitzgruppe, eine Auflage für die Sonnenliege, einen kleinen Beistelltisch, zwei Pflanzständer und eine neue Bepflanzung bekommen.

Für das Betontischerl habe ich einen Plastiktopfuntersetzer mit Beton ausgegossen und vier verwitterte Holzbretter hineingesteckt. Auch hier ist das Ausrichten der Tischfüße wieder das wichtigste. Dafür sollte man sich wirklich Zeit nehmen. Einen der Füße habe ich leider zu fest in den Beton gesteckt, sodass die darüberliegende Betonschicht nur noch sehr dünn war und später weggeblättert ist. Die Funktion wird dadurch aber nicht gemindert und auch optisch stört es mich persönlich jetzt nicht wirklich.

Schon lange lagerte in meinem Fundus ein, in der Mitte zerbrochener, Kerzenständer. Und weil ich gerade so schon im Betonfieber war, habe ich diesen auch gleich mal umfunktioniert. Den einen, oberen, Teil habe ich oben und unten in Beton gesteckt. Unten damit er einen neuen Stand bekam und oben, damit ein Pflanztopf einen besseren Halt darauf hat. Für den zweiten, unteren, Teil musste ich nur eine neue Abstellfläche machen.

Sowohl das Tischerl als auch die neuen Pflanzständer habe ich mit schwarzer und weißer Acrylfarbe für den Außenbereich in verziert. Das passt gut zum schwarz-weißen Outdoor Teppich und bildet ein Gegengewicht zum Segeltuch und der Sonnenliege mit ihren indischen Mustern.

Wenn ich einmal anfange, kann ich meist nicht aufhören und während ich an der einen Umsetzung arbeite, entsteht im Kopf schon die nächste Idee. So kam es dann auch, dass aus dem zu diesem Zeitpunkt von meinem Mann gerade abgebauten Drahtzaun noch zwei “immergrünen” Kakteen entstanden.

Nach vielen Jahren hat diese Terrasse jetzt endlich ein unverwechselbares Gesicht bekommen und die Hauswurz, die dort schon lange in einem Topf steht, hat mich dann auch noch mit einer Blüte erfreut.

Der Garten ist aber ein Bereich der sich immer wieder ändert und so zogen heuer ein neuer, alter (weil gebrauchter) Gartentisch, Stuhl und Deckchair ein. Bis auf die weiche Auflage des Deckchairs fügt sich alles wunderbar in das Bild ein und die beiden Sitzmöbel sehr bequem. Was das Muster der Auflage betrifft – Ich weiß noch nicht ob es mich richtig stört oder ob es doch irgendwie passt. Vorerst darf mal alles bleiben wie es. Was meint Ihr? Ich freue mich über jede Anregung!

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