Wenn der Garten schläft, wachsen die Ideen

Mittlerweile ist Ende Jänner. Die Weihnachtsdeko ist wieder vollständig im Keller verstaut. Die Tage werden länger und beim Blick aus dem Fenster kann man wieder öfter tatsächlich den Garten sehen. Es ist, als ob mein Gehirn einen Wecker eingebaut hat. Aus irgendeinem Grund nehmen meine Augen die Bilder vom Garten nicht mehr nur war, sondern leiten sie an mein Gehirn weiter und dort entstehen Gedanken wie ‚dort könnten wir …‘, ‚hier wäre schön …‘, ‚das wäre hier toll …‘

So lange wir in einer Wohnung gelebt hatten, waren Garten, Nutz- und Zierpflanzen ein blinder Fleck. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass mir dieses Thema Spaß machen würde. Ganz im Gegenteil, als wir im Begriff waren unser Haus zu kaufen, welches auf einem 850 m² großen Grund steht, dachte bzw. sagte ich noch: ‚Den Garten werden wir einfach wild wachsen lassen.‘

Was es heißt einen Wildgarten zu haben, war mir damals nicht bewusst. Ich habe mir einfach vorgestellt, dass das Grünzeug das schon da war, so vor sich hinwächst, wir ein paar Töpfe mit Blühpflanzen auf die Terrasse stellen und regelmäßig den Rasen mähen.

Ihr könnt mein Grinsen nicht sehen. Heute muss ich lächeln, wenn ich darüber schreibe und nachdenke wie sich unser ‚Wildgarten innerhalb unserer Grenzen‘ in den Jahren entwickelt hat. Und auch ich. Denn gartln verändert. Nicht das Ihr jetzt denkt, ich bin der perfekte Hobbygärtner und habe einen zu jeder Zeit gepflegten Garten. Bei weitem nicht.

Aber ich habe gelernt, dass auch ein Wildgarten ein Garten ist. Im Gegenteil zu Natur, zur Wildnis. Ein Wildgarten ist ein Garten, der von Menschenhand entworfen und gepflegt wird, um eine natürliche Umgebung für Wildtiere zu schaffen. Er ist als ökologisch sinnvolle Ergänzung zur Landschaft zu verstehen. Der Wildgarten schafft ein natürliches Habitat für Wildtiere und bietet ihnen einen geschützten Lebensraum. Gepflanzte Pflanzen und Blumen schaffen eine weitere Nahrungsquelle für die Wildtiere. Wildgärten sind auch oft ein Zufluchtsort für viele Vogel- und Insektenarten. Die freie Natur hingegen ist eine Wildnis, die sich ohne menschlichen Eingriff entwickelt. Es gibt keine menschlichen Einflüsse, die den (Lebens)Raum beeinflussen. Genau das ist es aber, wenn man Stauden und Sträucher hin und wieder zurückschneidet, weil man auf der Terrasse sitzen möchte, eine Fläche mit Gras regelmäßig mäht oder den Rasenschnitt kontrolliert in einer Miete kompostiert und zu Humus werden lässt.

Wildgärten und die freie Natur sind zwei völlig unterschiedliche Konzepte. Beide haben ihren Wert und ihren eigenen Platz in der Natur. Durch ‚unseren‘ Wildgarten habe ich viel über die Natur gelernt, über die Zusammenhänge von Pflanzen, Lebewesen und Jahreszeiten.

Nachdem wir vor Jahren an einem ersten Mai den Schlüssel für unser Haus bekommen hatten, stand erstmal renovieren am Plan. Im Grunde genommen haben wir den ganzen Mai und Juni am und vor allem im Haus gearbeitet. Die Vorbesitzer waren die Monate davor mit Ihrem Auszug beschäftigt gewesen und hatte sich dementsprechend überhaupt nicht mehr um den Garten gekümmert. Das Wetter in dem Jahr war für Pflanzen aber optimal. Es gab genug Regen und die Temperaturen passten auch. Als wir also irgendwann im Juli zum Thema Garten kamen, war uns der schon sprichwörtlich ‚über den Kopf gewachsen‘. Das Unkraut (ich weiß, viele meinen es handelt sich um Beikräuter; ich bin der Meinung der Name macht´s nicht besser) schlängelte sich überall meterlang zwischen und auch über viele Pflanzen die irgendwann einmal gepflanzt wurden. In diesem Jahr war alles was wir im Garten unternahmen, das Unkraut soweit wir es erkannten, im Zaum zu halten und herauszufinden, was so alles in unserem Garten wuchs und reifte. Ich machte von allem was ich sah Fotos und war noch Wochen damit beschäftigt herauszufinden, um welche Pflanzen es sich handelte. Manche Pflanzen konnte ich nie identifizieren. Als dieses Jahr vorüber war, war ich mit dem gartln-Virus bereits infiziert. Der darauffolgende Jänner, war der Erste indem ich in Decken eingemummelt und mit Pflanzkatalogen in der Hand vor dem Kamin saß und mir überlegt, was im Garten ich wie verändert wollte.

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Phänologische Jahreszeiten

Damals habe ich auch zum ersten Mal von 10 Jahreszeiten gehört. Ich kannte vier! Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aber immer öfter las ich von 10 phänologischen Jahreszeiten. Diese biologisch begründete, feinere Jahreseinteilung bezieht sich auf Erscheinungen in der Pflanzenwelt. Die Einteilung ist also nicht auf ein Datum fixiert, sondern richtet sich nach der Natur. Damit ist sie auch regional unterschiedlich. Je nach klimatischen Bedingungen kann eine Region schon im Vorfrühling angekommen sein, während eine Nachbarregion noch im Winter steckt. Wann welche phänologische Jahreszeit beginnt und endet wird durch das Eintreten bestimmter Erscheinungen charakterisiert.

Im folgenden Jahr habe ich unseren Garten und unsere Umgebung genauer beobachtet und damit auch weitere Pflanzen kennen und erkennen gelernt. Und bald hat sich auch mein Gartenjahr an den 10 Jahreszeiten orientiert.

im Vorfrühling Einkürzen von Obstbäumen, ... 
im Erstfrühling Rosenschnitt, ... 
im Vollfrühling Mulchen der Beete ...
im Frühsommer Starkzehrer düngen ...
im Hochsommer Gründüngung auf leeren Beeten ...
im Spätsommer Aussaat von spätem Gemüse ...
im Frühherbst Stecklinge schneiden ...
im Vollherbst Stauden pflanzen ...
im Spätherbst Winterschutz für empfindliche Pflanzen ...

Ich muss gestehen, der Spätherbst ist die Jahreszeit die ich im Garten am wenigsten mag. Das liegt wahrscheinlich daran, das es am Ende ums Einräumen, Wegräumen und Saubermachen geht. Meist bei nasskaltem Wetter. Nicht die Arbeiten die ich am liebsten mag. Dann entsteht erst einmal ein Gefühl der Erleichterung, dass der Garten in eine Winterpause geht.

im Winter ...

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(M)ein Wintergarten – Was ist jetzt zu tun?

Ich mag unseren Garten auch im Winter sehr. Durch die Hanglage, die Aufteilung und viele Stauden, Sträucher und Bäume hat er auch im Winter Struktur. Am liebsten mag ich es aber, wenn er eine dicke Schneedecke trägt. Dann entstehen diese tollen Formen, die die Phantasie anregen und den Garten nie langweilig aussehen lassen. Heuer war es leider viel zu warm und wir haben erste jetzt ein wenig Schnee bekommen.

Topfpflanzen gießen

Das Gießen der Topfpflanzen, die im Freien gut eingepackt überwintern, war heuer auf Grund der wenigen Niederschläge öfter notwendig. Aber auch in einem kalten Winter ist es wichtig die Topfpflanzen an frostfreien Tagen hin und wieder zu gießen. Wie oft hängt von den Niederschlägen ab. Wenn es regelmäßig mal regnet oder schneit umso weniger. Ist es aber trocken und dazu auch noch windig, benötigen die Pflanzen das Wasser, da sie sonst verdursten. Häufiger als das Topfpflanzen nämlich erfrieren, verdursten sie im Freien.

Lüften

Erfrierungsgefahr besteht bei Pflanzen unter Kunststoffhauben oder in Frühbeeten aus Plastik. Das von den Pflanzen verdunstete Wasser kondensiert bei tagsüber höheren Temperaturen und der dort entstehenden Wärme. Wenn es dann zu Frost kommt, besteht für die Pflanzen erhöhte Erfrierungsgefahr. Daher ist es wichtig untertags bei frühlingshaften Temperaturen die Abdeckungen zu öffnen oder zu entfernen und ausreichend zu belüften.

Schneelast entfernen

Ein weiteres Problem für Pflanzen kann starker Schneefall sein. Kommt in kurzer Zeit sehr viel Schnee vom Himmel, lastet ein beachtliches Gewicht auf Bäumen und Sträuchern und Zweige könnten brechen. Durch sanftes Schütteln oder Abkehren, kann man die Pflanzen von ihrer Last befreien. Dieses Problem wird gerade in unserer Gegend umso relevanter, je später es bei uns zu schneien beginnt. Denn gerade dann kommt es, wie jetzt, oft zu tagelangen Schneefällen.

Geräteschuppen und Werkzeug reinigen

Ein Hinweis den man auf vielen Seiten lesen kann ist das Reinigen der Werkzeuge und aufräumen des Geräteschuppen. Ja natürlich, das kann man manchen. Aber ganz ehrlich, ich kann mir im Jänner bei Temperaturen um Null Grad Schöneres vorstellen. Vor allem, weil das Aufräumen bei mir auch heißt, das alles raus kommt und dann auch die Regale und der Boden ordentlich geputzt werden. Das mach ich doch echt lieber wenn es wieder wärmer wird.

Pflanzen vorziehen oder Beete planen?

Natürlich können Anfang des Jahres schon einige Gemüsepflanzen mit einer langen Keimdauer wie Tomaten, Paprika oder Auberginen im Haus vorgezogen werden. Sie benötigen viel Wärme und Licht und strecken sich diesem entgegen. Gibt es zu wenig, weil die Tage noch relativ kurz sind, werden sie meist lang und dünn. Meiner Erfahrung nach ist es schwierig, die Sämlinge ohne entsprechende künstliche Beleuchtung bis zur Pflanzzeit im Freien robust genug zu machen. Ich warte mit der Aussaat bis Februar/März und verbringe die Zeit im Jänner lieber damit für die Gemüsebeete einen Pflanzplan zu erstellen und für den Ziergartenbereich nach neuen Pflanzen Ausschau zu halten.

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Planung – Auf welchen Blogs finde ich Hilfe?

Ruht der Garten in der Vegetationspause sind die Aufgaben für uns Gärtner für eine kurze Zeit also wirklich überschaubar. Wenn der Winter außerdem schneearmen ist und auch das Schi- und Schlittenfahren wegfällt, kommt bald dieses Jucken in den Fingern, die Blicke in den Garten werden länger und die Gedanken intensiver. Alles was uns bleibt ist die Gartenplanung für die nächste Saison und das Saatgut und Pflanzen zu bestellen.

Ich habe einige Blogs die ich in dieser Zeit gerne lese.

Auf Kraut & Rüben, dem Blog zur gleichnamigen Zeitschrift, informiere ich mich gerne über Pflanzen für den Nutzgarten. Im aktuellen Beitrag über mehrjähriges Gemüse sind einige Pflanzen beschrieben, die ich gerne im Garten unterbringen möchten.

Marie von Wurzelwerk, hat auch immer viele Tipps für den Biogarten parat. Unter anderem gibt es auch einen ganz tollen Aussaatkalender und Gemüsepflanzplan.

Und wenn es um Blumen geht, schmökere ich am liebsten auf der Seite von Jora Dahl. Ich finde die Farben ihrer Blumen und Stauden traumhaft schön und die Kombinationen ebenso. Und zu den tollen Beschreibungen der Pflanzen findet man auch viele Tipps zur Pflanzenanzucht oder Beet Planung.

Und was gestalterische Änderungen betrifft, schaue ich immer auch auf meine Pinterest Pinnwand. Auf dieser Pinnwand sammle ich in verschiedenen Ordnern all die Bilder die mich begeistert. Wenn ich im Winter dann dort so durch scrolle, fallen mir dann schnell wieder die Ecken ein, an denen ich während der aktiven Gartenzeit etwas ändern wollte. Ich versuche mir dann nur so viele Dinge vorzunehmen und im Detail zu überlegen, wie sich gut im Jahr ausgehen. Meistens sind die Wünsche aber doch größer, als die Zeit die ich in einem Gartenjahr habe. Aber wie heßt es so schön: Man soll sich die Ziele hoch stecken 😉

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Gartenplanung konkret – Was habe ich 2023 vor?

2023 wird sich auf jeden Fall der Vorgarten verändern. Ein paar Projekte sind schon sehr klar, ein paar andere noch eher vage.

Kompostmiete vergrößern: Wir haben zwei Mieten aus Drahtgittern mit rund 2m³ und wollen die auf 3m³ vergrößern. Mein Mann hat schon eine Idee, bei deren Umsetzung ich nur die helfende Hand bin.

Sichtschutzzaun: Entlang der Grundgrenze zum Nachbarhaus, ein Mehrfamilienhaus mit drei Mietwohnungen, haben wir einen einfachen Gitterzaun und davor ein schmales Staudenbeet. Auf der anderen Seite des Zauns ist ebenfalls ein Beet mit wenigen Ziersträuchern, dass allerdings nur zweimal im Jahr gepflegt wird. Da wir in unserer Gegend leider Ackerschachtelhalm geplagt sind, bietet das Beet spätestens Anfang Sommer einfach keinen schönen Hintergrund mehr. Ich möchte daher schon lange zumindest ungefähr die Hälfte des Zauns mit einem Sichtschutz versehen, damit die Stauden besser zur Geltung kommen.

Beetkante zum Parkplatz: Das selbe Beet hat nach vorne allerdings keine ausreichend Kante. Damit Erde und Mulch nicht auf die davor gepflasterte Fläche zum Parken wandern, möchte ich mit Holzpfosten ein Erhöhung anbringen. Bei diesem Projekt bin ich aber auch wieder auf Hilfe angewiesen.

Gartenwege anlegen: Ein noch eher unklares Projekt sind die neuen Wege im Vorgarten. Unser Haus steht Mittig am Grund und daher haben wir einen relativ großen Vorgarten, der aber auf Grund der Hanglage ein Gefälle aufweist. Zum Spielen ist die Fläche also wenig geeignet. Gleichzeitig ist dort am Ende des Grundstücks unser Kaninchenstall. Dass heißt wir laufen täglich über die Wiese, auch im Winter. Es gibt also ohnehin schon einen gut ausgetrampelten Weg. Und ein weiterer, zwar weniger benutzter aber sinnvoller Weg vom Stall Richtung Glashaus, ist auch schon deutlich durch eine leichte Vertiefung sichtbar. Das ist vermutlich aber ein Projekt, bei dem ich 2023 nur die Klarheit über das ‚Was will ich eigentlich‘ bekomme.

Staudenbeet anlegen: Das Staudenbeet ist das Projekt, weswegen ich in den nächsten Wochen definitiv viele Pflanzportraits lesen werde. Ich möchte am Zaun entlang der Straße, statt der Wiese ein Staudenbeet anlegen. Zwischen drin sollen auch Einjährige Blumen und Zwiebelpflanzen Platz finden. Das Beet soll den Garten mit vielen Blüten verschönern, aber auch Schnittblumen für das Haus liefern. Dieses Projekt wird vermutlich erst in ein, zwei Jahren vollständig begeistern.

Aber so ist das halt im Garten:
Alles hat sein Zeit. Alles braucht seine Zeit!

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