Planen mit Pinterest?

Moodboards sind ja in aller Munde. Diese Stimmungs-Tafeln, die ihren Ursprung in der Design- und Grafik-Welt haben, finden mittlerweile auch in vielen anderen Lebensbereichen ihre Berechtigung. Vor allem rund um das Thema Wohnen kann man kaum eine Zeitschrift oder einen Blog finden, indem nicht mindestens einmal auf die Relevanz von Moodboards verwiesen wird. Wenn ich Artikel darüber lese, denke ich mir meist: Ja, klar! Wenn ich etwas visualisiere, kann ich es mir auch besser vorstellen.

Auch ich möchte (m)einen Beitrag zum Thema beisteuern und habe mir folgende Frage gestellt:

Ist es bei einem privaten "Haus-Wohnungs-Zimmer-Bau-Renovierung"-Projekt hilfreich ein Moodboard zu kreieren?
Oder ist es vielmehr eine klassische Pinnwand, meist elektronisch, die auf einfache Weise unterstützt?
Und wie geht man das Planen am Besten an?

Was ist was?

Als erstes gilt es zu klären, was eine Pinnwand von einem Moodboard unterscheidet.

Nun, Pinnwände halten Dinge fest. Mittels Reiszwecken, Stecknadeln, Magneten, Kluppen, … werden Ideen, Aufgaben, Hinweise, Termine, Information … auf einem Holzbrett, einer Hartfaser-, Weichfaser-, Kork- oder Metallplatte, … angebracht. Zumindest wenn es sich um eine analoge Pinnwand handelt. Bei digitalen Pinnwänden reicht ein Mausklick und das entsprechende Bild, Text, Song oder Film sind gemerkt.

Foto: Katharina Walter

Moodboards hingegen halten nichts fest. Sie sollen ein Stimmungsbild ein Gefühl transportieren. Bekommt ein Designer einen Auftrag von einem Kunden wird er zuerst einen Entwurf seiner Idee präsentieren. Hier ist ein Moodboard hilfreich, vor allem dann, wenn der Kunde zwischen zwei oder mehreren Ansätzen entscheiden soll. Stellen wir uns vor ein Gartendesigner bekommt einen Auftrag. Er soll den Außenbereich eines Unternehmens gestalten. Nun wird sich der Designer das Unternehmen genau ansehen. Welches Corporate Design hat das Unternehmen, also die Farben, Schriften, etc. Aber auch welche Corporate Identity verfolgt das Unternehmen, also für welche Werte steht das Unternehmen. Und natürlich was sind die Produkte des Unternehmens. Basierend darauf, wird der Designer Entwürfe machen und präsentieren. Für diese Entwürfe kann dann jeweils ein Moodboard die Stimmung, die erzeugt werden soll noch unterstreichen und besser transportieren. Dafür werden Bilder oder Fotos, Farbkarten und verschiedenste Materialien tatsächlich auf einen Träger geklebt oder es werden Bilder davon digital arrangiert.

Spannend finde ich, das sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung die “Endgültigkeit” der beiden Werkzeuge irgendwie umzukehren scheinen. Pinnwänden die wir in unseren Vorzimmern, Küchen oder Büros haben verändern sich doch ständig. Es wird drauf und drüber gepinnt, bis man irgendwann vor lauter Zetteln nichts mehr sehen kann und aufräumt. Im Optimalfall, bei mir ist das nur im Büro der Fall, gibt es jemanden der sich regelmäßig darum kümmert. Moodboards zum Angreifen hingegen sind endgültiger. Irgendwann fixiert man die Anordnung der Bilder, Fotos, Materialien, Zitate, Textausschnitte etc. indem man sie festklebt.
In der digitalen Welt aber, verhält es sich genau anders herum. Bei digitalen Pinnwänden sammelt man ins endlose, denn man hat ja eine Suchfunktion. Wohin gehend ein Moodboard zwar gespeichert und vielleicht auch gedruckt wird. Meist kann man aber trotzdem immer wieder verändernd und eine neue Version speichern.

Planung mit einem Moodboard?

Oft wird von Moodboards gesprochen, wenn es darum geht einen Raum oder ein ganzes Haus zu renovieren. Dazu sollte man zuallererst das Ziel formulieren. Wenn man zum Beispiel das Badezimmer neu einrichten möchte könnte man die Frage formulieren: Wie muss unser Badezimmer aussehen, damit es für uns eine Wohlfühloase ist? Oder aber auch: Wie soll unser Badezimmer wirken, damit es uns morgens aktiviert?

Dann benötigt man noch einen freien Platz an dem man das Moodboard aufbauen und auch für einige Zeit wirken lassen kann. Eine Wand, aber auch die Innenseite einer Kastentür oder eine Seite einer Zimmertür. Als Board eignet sich meiner Meinung nach ein stabiler Karton am besten. Oben durch den Karton zwei Löcher stechen, ein Band durchfädeln und schon kann man das Bord aufhängen. An die Wand, wenn zufällig ein Nagel oder Bilderhaken an der Stelle ist und im Fall der Tür eignen sich Türhacken, die einfach oben auf das Blatt kommen.

Und jetzt heißt es sammeln. Alles was einem in die Hände fällt und in Bezug auf die Zielformulierung zu einem positiven Gefühl führt, wird gesammelt.

Foto: Jenny Lehmann
Foto: Debbie Treloar

Farbkarten aus dem Baumarkt
Holz- oder Fliesenmuster
Stoffproben
Geschenkbänder, Spitzenbänder
Blätter von Pflanzen oder Steine
Postkarten, Texte, Sprüche
Ausschnitte aus Zeitschriften
Federn, Perlen, Quasten

Foto: Hannah Grace Lodge

Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Erst mal alles sammeln. Wenn der Fundus schon etwas angewachsen ist, sollte man sich einmal richtig Zeit nehmen, das Board vor sich auflegen – am Tisch oder Boden und alle gesammelten Schätze um sich herum ausbreiten. Vielleicht noch eine Tasse Tee, Kaffee oder ein Glas Wein und dann geht es los. Legt die Objekte auf das Board, verschiebt, sortiert um, nehmt wieder etwas weg. Immer mit der Zielformulierung im Kopf, bis sich vor Euch ein Bild ergibt, das stimmig ist. Das fixiert man dann erstmal, allerdings nicht zu endgültig. Alles was leicht ist, kann zum Beispiel mit Masking Tape angebracht werden. Bei schwerere Objekte hat der Karton wieder einen Vorteil. Einfach an die entsprechende Stelle drei, vier Löcher stechen und mit einer Schnur das Objekt festknoten. Das fertige Moodboard kommt jetzt erstmal an seinen angedachten Platz und sollte dort immer wieder betrachtet werden, am Besten auch unter unterschiedlichen Lichtbedingungen. Wohnt man nicht alleine ist ein Moodboard natürlich auch eine gute Möglichkeit sich gemeinsam für eine Stil, für Materialien oder für Farben zu entscheiden.

Im privaten Bereich ist ein Moodboard zum Anfassen denke ich viel sinnvoller, als ein digital gestaltetes. Denn hier geht es ja um die tatsächliche Haptik, das Gefühl das beim Anblick oder auch schon während dem Machen entsteht und nicht so sehr um das “Ergebnis” als Moodboard an sich. Wenn man das Moodboard immer mithaben möchte, zum Beispiel zum Einkaufen, kann man es ja einfach Fotografieren.

Planung mit einer elektronischen Pinnwand

Eine Pinnwand für ein Bau- oder Renovierungsprojekt hält im Gegensatz einfach alle Möbelstücke, Materialen etc. die einem gefallen fest. Ich würde sagen, der Unterschied zu einem Moodboard ist einfachen die Zeit die man sich nimmt, um die Objekte zueinander in Bezug zu bringen, miteinander zu arrangieren und gemeinsam wirken zu lassen. Für mich war das Werkzeug Pinnwand bisher eigentlich immer ausreichend. Vor allem auch, weil bei uns im Grunde ich diejenige bin, die sich die planerischen Gedanken macht oder besser, machen darf. Ganz selten nur erhebt mein Mann Einspruch und die Kinder sind noch zu klein. Mittlerweile plane ich eigentlich alles auf Pinterest. Ich wende dabei eine Art Verfeinerungsmethode an, die ich Euch anhand der Neugestaltung des Elternschlafzimmers näher bringen möchte.

Praktische Erfahrung

Um Mädchen-Eltern-Badezimmerkonflikten vorzubeugen, die mit drei Mädchen, wenn diese mal ins Teenageralter kommen vermutlich schon alleine untereinander entstehen, haben wir im Zuge unseres Um- und Ausbaus das Schlafzimmer in das Dachgeschoss verlegt und daneben ein neues Badezimmer geplant.

Während wir mitten in der Grundrissplanung mit der Architektin steckten, machten mein Mann und ich einen Wochenendtrip nach Marrakesch. Dort trifft man ja an allen Ecken auf diese schönen handgearbeiteten Lampen. Dabei ist mir ein Bild wieder eingefallen, das ich während einer Dienstreise in Indien als Geschenk bekommen hatte und das seit damals irgendwo im Keller herumlag. So ist die Idee geboren eine orientalische Wohlfühloase zu gestalten. Allerdings wollten wir im neuen Bad auch eine kleine Sauna bauen, so gar nicht orientalisch – eher nordisch. Und prinzipiell liegt das Bad im Dachausbau der als Holzriegelbau gefertigt werden sollte und auch innen komplett aus großen Fichtenplatten besteht. Der Style des Badezimmers musste also irgendwie den Spagat zwischen Orient und Norden, zwischen Wasser und Holz schaffen.

Prinzipiell habe ich schon seit Jahren Pinterest Pinnwände für die verschiedensten Themen. Da gibt es natürlich auch eine eigene Pinnwand zum Thema Badezimmer. Um mir ein Bild über das neue Badezimmer zumachen, habe ich erstmal einen Ordner mit dem Titel Dach Style angelegt und dort hin alles gepinnt was mir untergekommen ist. Mit der Zeit wurden dann Details zu einzelnen Bereichen wichtiger. Also habe dafür dann entsprechende Ordner angelegt, die für dieses neue Unterthema schon gesammelten Pins dorthin verschoben und an den Details weitergepinnt. Das meinte ich mit Verfeinerungsmethode.

Gegen Ende, als sich das Bild schon immer mehr verfestigt hat, und einzelne Details, wie zum Beispiel die Fliesen und das Waschbecken feststanden, habe ich dann noch den letzte Ordner mit dem Titel Moodboard gemacht. Hierhin habe ich alles verschoben, was fix war oder mich besonders inspiriert hat. Jetzt, wo das Badezimmer fertig ist, pinne ich Dinge die es auf meine Wunschliste schaffen auch hierhin. So wie den schöne Spiegel “IO” von Michael Rem für Gejst. Der wird wohl irgendwann noch einziehen.

Mir macht diese Methode Spaß und wenn man es schafft sich nicht minutenlang ziellos in Pinterest zu verlieren, dann kostet sie nicht wirklich viel Zeit. Ich kann dadurch auch gut meine Vorstellungen mit meinem Mann teilen und besprechen und außerdem habe ich meine gesammelten Ideen immer am Handy dabei. So kann ich sie anderen, zum Beispiel Handwerkern oder Verkäufern, zeigen oder auch schnell, wenn ich unterwegs bin, etwas dazu pinnen. Die endgültigen Entscheidungen beim Kauf, die Entscheidungen mit den Handwerkern und die Umsetzung an sich, lassen dann die virtuelle Idee im Raum entstehen. Unser Badezimmer vermittelt für uns bereits seit ein paar Monaten, am Morgen und am Abend, die Stimmung die wir uns gewünscht haben. Nur die Sauna ist erst noch im entstehen. Die kann ich Euch dann ein andermal zeigen.

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