Licht für die blaue Stunde

Als meine Eltern das Haus meiner Großeltern übernommen und renoviert haben, haben sie sich erstmal von vielen Gegenständen getrennt. Jeder aus unserer Familie hat sich dabei natürlich Erinnerungsstücke behalten. Aus sentimentalen Gründen ist daher damals eine Stehlampe bei uns eingezogen. Den Fuß hat mein Opa, dessen Hobby die Tischlerei und Dreherei war, selbst gedrechselt. Als Kind habe ich es geliebt in seiner Werkstatt zu sein, wenn er gearbeitet hat. Das Ergebnis war dann ja auch fast immer etwas für mich und währenddessen, gab es jede Menge Holz, Hobelspäne und Sägemehl zum Spielen. Wahrscheinlich kommt daher auch meine Vorliebe für Holz, am liebsten unbehandelt mit dem beruhigendem Geruch der Natur. Dieser Lampenfuß ist zwar ganz in der damals üblichen Art gebeizt und lackiert, aber er auch so gefällt er mir und passt in unsere Leseecke im Esszimmer.

Den Makramee Lampenschirm hat meine Oma geknüpft. Wenn ich bei ihnen übernachten durfte, bin ich abends vor dem schlafen gehen oft neben ihr gesessen und sie hat mir gezeigt wie die Knoten gehen. Jetzt, da meine Mädels ungefähr in dem Alter sind, wie ich damals war, ist dieser Trend ja wieder da. Allerdings kommen die Wohnaccessoires die man sich heute aus Makramee herstellt oder kauft verglichen mit meiner Erinnerung schon etwas anders daher. Sie sind geradliniger, irgendwie weniger fluffig. Der Schirm hatte also auch einen hohen Erinnerungswert, von gefallen und ihn in unserem Esszimmer präsentieren, war er aber weit weg.

Die Lampe, mit Schirm, blieb mal einige Zeit im Keller stehen. Ich habe hin und her überlegt. Einen neuen Schirm zu kaufen, wäre ja das einfachste gewesen, aber irgendwie konnte ich mich von dem Schirm nicht trennen. Und dann war da die Ideen ihn einfach anzumalen. Auch dabei musste ich mich überwinden, denn das Ergebnis war ja nicht richtig kalkulierbar. Aber es war sicher, das ich es nicht rückgängig machen könnte. Irgendwann, war der Entschluss gefasst, ich habe Farbe besorgt und losgepinselt.

Ich habe ungefähr vier Schichten aufgetragen, wobei ich bei den ersten zwei einmal mit einem dickeren Pinsel darauf geachtet habe einmal eine halbwegs homogene Fläche zu erzeugen. In den beiden letzten Schichten habe ich dünnere Pinsel verwendet um die kleinen Stellen, mit Farbe zu bedecken, die teilweise durch Vertiefungen entstanden sind. Die Fransen habe ich erst einmal auch gefärbt, um sie anschließend komplett abzuschneiden. Eigentlich sind die Fransen ja typisches Zeichen dieser Technik und auch notwendig, damit sich die letzten Knoten nicht auflösen. Dies ist jetzt aber durch die Acrylfarbe ohnehin nicht mehr möglich. Der mehrmalige Auftrag hat die Fasern gut miteinander verklebt.

So modifiziert, passt dieses Erinnerungsstück wie ich finde toll zu uns. Und die Geschichte der Lampe ist auch noch ein klein wenig gewachsen. Ich freue mich auf jeden Fall immer, wenn ich mich, wenn es langsam dunkel wird, in meinen Ohrensessel setzte und die Lampe einschalte um zu lesen. Oder zu häkeln – das, habe ich auch mit meiner Oma oft gemacht.

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