handART

Vor vier Jahren haben wir uns endlich an unseren, lange geplanten, Hausumbau gewagt. Dabei wurde nicht nur fast der gesamte Bestand erneuert, sondern auch der früher ungenutzte Dachboden zu einem weiteren Wohngeschoß ausgebaut. Aufgrund der Bebauungsdichte und des Grenzabstandes entstand dabei auch eine süd-ostseitige Dachterrasse.

Für die Beschattung dieser neuen, aber auch unserer schon existierenden Terrasse westseitig, fehlt(e) es aber noch an Kapital. Einerseits weil Sonnenschirme ja vorhanden waren und wir damit auch schon lange lebten. Andererseits aber auch, weil ich hier ganz spezielle Vorstellungen habe: Wenn dann möchte ich zwei baugleiche Kastenmarkisen mit Windsensor und eventuell auch noch stimmungsvoller Beleuchtung. Bisher habe ich noch nicht einmal gewagt einen Kostenvoranschlag einzuholen.

Die Variante mit dem Schirm ist auf der Westterrasse, die weniger exponiert liegt und auch größer ist, durchaus praktikabel. Auf der Dachterrasse hatte ich aber selbst beim kleinsten unserer Schirme, schon im abgespannten Zustand Bedenken ob er den Windböen bei unseren Sommergewittern standhält, geschweige denn, dass er auf dem Boden bleibt, wenn ihn im aufgespannten Zustand mal ein Windstoß erwischt. Fliegende Sonnenschirme sind für mich ja schon am Strand ein Horror, da will ich mir einen, vom zweiten Stock unseres Hauses, fliegenden gar nicht vorstellen.

Da wir auf dieser Terrasse aber nicht nur eine Sonnenliege zum Lesen, sondern auch eine Tischgruppe für das eine oder andere Frühstück haben, ist ein Schattenspender notwendig. Außerdem liebe ich es im Frühling am Vormittag dort zu arbeiten, dafür benötige ich aber einen Blendschutz.

Tischgruppe im Schatten des Sonnensegels

Wir haben die Sonnenschirmvariante, unter Aufsicht, also trotzdem versucht, dabei aber schnell festgestellt, dass der Schatten, für unsere mittlerweile fünfköpfige Familie, irgendwie immer zu klein war. Ich habe also begonnen mit Sonnensegeln zu experimentieren. Sowohl der Dachausbau als auch das Geländer, bestehen aus einer Rauten Schalung, wodurch ein provisorisches Anbringen mit Schnüren relativ leicht an allen Stellen möglich war.

Der ERSTE Versuch war ein gekauftes dreieckiges Sonnensegel: Egal wie ich es hängte, der Schatten war fast noch kleiner als beim Schirm.
Im ZWEITEN Jahr habe ich ein altes großes Leintuch verwendet: Der Schatten war gut, allerdings ging es an der Brüstung viel zu tief nach unten, sodass man gut am Tisch sitzen aber nur noch gebückt vorbei gehen konnte.
Als DRITTE Variante habe ich aus ein paar Laufmeter Markisenstoff und Bambusstöcken eine Art Pavillon gebaut: Schatten und Bewegungsfreiheit waren gut, es war allerdings ein wenig umständlich beim auseinander- und zusammenschieben. Und das größte Manko war das Regenwasser, das sich in den Falzen sammelte. Es tropfte zwar nicht durch, ergoss sich aber regelrecht auf einen, wenn man die Konstruktion dann irgendwann entfalten wollte.

Im heurigen Corona Frühling hatte ich mehr Zeit als sonst, mich mit Haus und Garten zu beschäftigen und dabei ist nun endlich eine praktikable Lösung entstanden.

Sitzbank im Schatten des Sonnensegels Sonnensegel mit DIY-Ständervorrichtung
Dachterrasse mit Sitzgruppe und Sonnensegel

Um die Neigung des Sonnensegels, das nun ein großes, relativ dünnes Tuch ist, flexibler zu gestalten, habe ich mir zwei Steher gebaut. Diese bestehen aus zwei relativ robusten, aber trotzdem leicht biegsamen Pflanzstangen die ich in Blumentöpfe einbetoniert habe.

Ich habe dafür vorhandene Plastiktöpfe von gekauften Pflanzen verwendet und die Löcher im Boden mit Klebeband verschlossen. Man kann aber natürlich jegliches Gefäß verwenden, es muss nur oben konisch auseinander gehen, damit man den Beton auch wieder herausbekommt. Die Pflanzstange habe ich mittig hineingestellt und den Topf mit Beton ausgegossen. Über den Topf habe ich dann links und rechts von der Stange, in quer und längs Richtung, also im Kreuz, einen breiten Klebebandstreifen über den Topf "gelegt" und jeweils am äußeren Topfrand festgeklebt. So war die Stange in der Mitte relativ "fixiert" und rutschte mir nicht weg.

Den ganzen Aufbau habe ich unserer Garage gemacht, dort konnte ich die Stange oben an den Rollkasten lehnen. Ich habe dann den Topf so lange verschoben, bis die Stange auch geradestand und das Ganze dann oben wieder mit einem Klebeband fixiert. Eine Wasserwage ist hier hilfreich und man muss von allen Seiten mehrmals anlegen, damit es später auch wirklich gerade ist. Erst nach dem vollständigen Fixieren habe ich den Beton gerüttelt und geklopft. Bei mir stand der Topf außerdem auf einer Styroporplatte. Das ist einerseits sinnvoll, weil eventuell auslaufendes "Betonwasser" nicht den Boden verschmutzt, aber vor allem weil man den Topf so leichter hin und her schieben kann.

Nach dem der Beton leicht angetrocknet war habe ich einen geschlossenen und einen offenen Haken in die Oberfläche "geschraubt" und dann alles zwei Tage gut durchtrocknen lassen. Zu guter letzte habe ich am oberen Ende der Stande ebenfalls einen geschlossenen Haken angebracht. Das ging ganz leicht, weil meine Pflanzstange eine Plastikabschlusskappe hat, die Kreuzförmig eingeschlitzt ist. der Haken war gerade ein wenig dicker als diese Schlitze, sodass ich den Haken richtig in das Plastik hineinschrauben konnte. Damit der Haken auch unter Zug hält, habe ich ihn noch mit Draht fixiert. 

DIY Ständervorrichtung für Sonnensegel

Eine alte Wäscheleine läuft nun im Kreis durch die geschlossenen Haken. Die beiden Enden der Leine sind überhängend und haben an mehreren Stellen Knoten, sodass dort jeweils Fixierungsschlingen entstehen. Ich kann nun durch Ziehen an der einen oder anderen Seite die Leine rauf- und runterbewegen und mit den Fixierschlingen im offenen Haken einhängen. In die Wäscheleine habe ich eine Metallöse geknotet, in die ich einen Karabiner einhängen kann, der am Segel befestigt ist. 

Ich kann jetzt also mein Segel auf der Seite des Terrassengeländers in die beiden Ösen einhängen, ziehe dann an der Leine die Öse mitsamt dem Segel nach oben und habe drei Positionen (ganz oben für mittags, etwas geneigt für vormittags, stark gesenkt für die Morgensonne) in denen ich das ganze fixieren kann. Damit die Steher unter Zug nicht umkippen musste ich sie allerdings am oberen Ende am Terrassengeländer fixieren.

Auf der anderen Seite konnte ich die Metallösen einfach mit einem Stück Wäscheleine an die Rauten Schalung knoten. Dort benötige ich auch keine Flexibilität in Bezug auf die Neigung des Segels. Damit es hübscher aussieht, wenn das Segel gerade nicht verwendet wird, habe ich jeweils ein paar Muscheln angeknotet.

Tischgruppe mit Sonnensegel

Das Tuch ist nicht komplett gespannt, wodurch der Wind auch hineinblasen kann. Es bewegt sich dann natürlich, blast sich nach oben auf, aber bis jetzt hat es nicht den Anschein gemacht, als ob irgendetwas reißen würde. Bei sehr starkem Wind, nehme ich es natürlich ab. Was mich an dieser Konstruktion am meisten freut: Genau das Abnehmen oder umgekehrt das Aufspannen geht einfach und sehr schnell.

Nachdem dieses Projekt fertig war und so wunderbar funktionierte hatte ich eine solche Freude, das ich mich endlich auch mal richtig mit der Terrasse beschäftigt habe. Sie hat also auch gleich noch passende Pölster für die Sitzgruppe, eine Auflage für die Sonnenliege, einen kleinen Beistelltisch und zwei Pflanzständer und eine neue Bepflanzung bekommen.

Sonnenliege
Betontischerl
Sonnenliege

Für das Betontischerl habe ich einen Plastiktopfuntersetzer mit Beton ausgegossen und vier verwitterte Holzbretter hineingesteckt. Auch hier ist das Ausrichten der Tischfüße wieder das wichtigste. Dafür sollte man sich wirklich Zeit nehmen. Einen der Füße habe ich leider zu fest in den Beton gesteckt, sodass die darüberliegende Betonschicht nur noch sehr dünn war und später weggeblättert ist. Die Funktion wird dadurch aber nicht gemindert und auch optisch stört es mich persönlich jetzt nicht wirklich.

Schon lange lagerte in meinem Fundus ein, in der Mitte zerbrochener, Kerzenständer. Weil ist gerade so schon im Betonfieber war, habe ich diesen auch gleich mal umfunktioniert. Den einen, oberen, Teil habe ich oben und unten in Beton gesteckt. Unten damit er einen neuen Stand bekam und oben, damit ein Pflanztopf einen besseren Halt darauf hat. Für den zweiten, unteren, Teil musste ich nur eine neue Abstellfläche machen.

Hauswurz auf Pflanzständer Betontischerl Pelargonie auf Pflanzständer

Sowohl das Tischerl als auch die neuen Pflanzständer habe ich mit Acrylfarbe in schwarz-weiß mit dot paiting verziert. Das passt gut zum schwarz-weißen Outdoor Teppich und bildet ein Gegengewicht zum Segeltuch und der Sonnenliege mit ihren indischen Mustern.

Pelargonie mit Drahtkaktus Drahtkaktus Pelargonie mit Drahtkaktus

Wenn ich einmal anfange, kann ich meist nicht aufhören und während ich an der einen Umsetzung arbeite, entsteht im Kopf schon die nächste Idee. So kam es dann auch, dass aus einem abgebauten Drahtzaun noch dies Kakteen entstanden.

Pelargonie mit Kerze

Nach vielen Jahren hat diese Terrasse jetzt endlich ein unverwechselbares Gesicht bekommen und die Hauswurz, die dort schon lange in einem Topf steht, hat mich dann auch noch mit einer Blüte erfreut.

blühende Hauswurz