handART

Gastbeitrag vom Besten aller Ehemänner

Nachdem wir unser kleines Häuschen am Stadtrand von Graz umgebaut hatten, türmten sich Reste von Baumaterialien und „Abfälle“ im Garten. Wenn ich Abends durch unsere neue, 8 Meter breite Einfahrt nach Hause kam, konnte ich den Anblick von Holzstapeln, alten Fenstern und Gerüstteilen irgendwann nicht mehr ertragen. Andererseits fand ich, waren die Materialien auch zu wertvoll um sie einfach zu entsorgen.

Wie kam es dazu?

Im Zuge der Generalsanierung unseres 60er Jahre Häuschens war das gesamte Dach inklusive Dachstuhl und Firstmauern abgetragen worden. An die Stelle des alten Dachstuhls wurde eine Holzriegelkonstruktion mit Pultdach gesetzt, somit entstand ein weiteres Stockwerk. Für den Stiegenaufgang musste ein kleiner Gebäudeteil abgerissen und wieder neu aufgebaut werden. Dabei wurden auch 3 Terrassentüren und 2 Fenster entfernt. Noch ohne speziellen Hintergedanken haben wir darauf geachtet, dass die Fenster beim Abbruch nicht beschädigt wurden. Dabei handelte es sich nämlich nicht mehr um die Originalfenster aus den 60ern, sondern um 2-fach verglaste Kunststofffenster aus dem Jahr 2001. Diese Fenster fanden vorerst im Vorgarten, an den Apfelbaum, später an den Zaun gelehnt ihren Platz. Der alte Dachstuhl bestand zum größten Teil aus Lärchenholz und fristete ebenfalls im Garten sein Dasein.

Für den Kran, der den Holzriegelbau in Fertigteilen aufsetzte, musste wir die Einfahrt von ursprünglich 4 auf 8 Meter verbreitern. Beim Innenausbau des neuen Geschosses und der Außenverkleidung war einiges an Verschnitt übrig geblieben. Darunter Dreischichtplatten, sägeraue Fichtenbretter, Rautenschalung aus Lärche und Rigipsplatten. Als mein Vater dann auch noch massive selbst gebogene Stahlwinkel aus seinem Fundus ausgrub, war klar: Diese wunderbaren Materialien dürfen nicht entsorgt werden, sondern sollen eine neue Funktion bekommen.

Wir besitzen zwar nur ein Auto und eine im Vergleich relativ große Garage, diese wurde aber jeden Wintern mit den Kübelpflanzen der Terrassen so versperrt, das man mit den Fahrrädern nur noch schwer hinaus kam. Da unsere Einfahrt bis zur Garage auch relativ lang ist, befanden wir, dass durchgängig und teils weit mehr als 8 Meter Breite Verschwendung sind. Auch wenn wir einen Teil davon wieder verschmälern würden, hätten immer noch genug Gäste Platz am Grund zu parken.

Wir entschieden uns ein kleines Gewächshaus selbst zu bauen. Direkt an der Straße, um so zusätzlich den Blick auf das Grundstück einzuschränken. Um uns ein Gefühl für die Idee zu geben, haben wir dann auch gleich einmal den Bauplatz mit Pfosten markiert.

Anschließend reifte die Idee und die Detailplanung begann. Zwei der Glastüren sollten die Südseite bilden um möglichst viel Sonne einzufangen. Für die Ostseite, die ebenfalls viel Sonne bekommt, planten wir das schmälere Fenster und eine Tür ein. Auf der Westseite, die im Winter am Nachmittag im Schatten des Nachbarhauses liegt, blieb dann noch das längere Fenster übrig. Damit ergaben sich die Seitenlängen von 2,6 x 3,6 m. Für die Nordseite sahen wir eine geschlossenen Wand vor. Einerseits weil hier eben die Straße vorbeiführt, vor allem aber um diese Seite richtig dämmen zu können und die kalten Winterwinde bestmöglich auszusperren.

Da die Einfahrt mit rund 10% ansteigt, musste zu aller erst eine plane Fläche an der Stelle geschaffen werden. 2m³ Erdreich, rund 20 Scheibtruhen, klingen vielleicht nach einer Kleinigkeit, nachdem uns aber kein Bagger zur Verfügung stand und das Erdreich in der Einfahrt durch die jahrelange Verwendung sehr gut verdichtet war, musste der Schotter, der für den Frostkoffer verwendet worden war, Schicht für Schicht mit einer Spitzharke gelockert und dann abgetragen werden.

 

Fundament

Um dem Gewächshaus über viele Jahre einen sicheren Stand zu geben, haben wir ein Streifenfundament mit rund 80 cm Tiefe ausgehoben und mit Beton aufgefüllt. Auf dieses Streifenfundament setzten wir eine rund 40 cm hohe Stützmauer mit 20 cm Stärke. An der Straßenseite ist die Stützmauer durch das Gefälle in voller Höhe zu sehen, daher wollten wir darauf achten, dass sie vor allem in diesem Bereich auch wirklich glatt wird. Wir haben daher neue Schaltafeln verwendet und diese zusätzlich mit Schalungsöl eingelassen. Das Fundament war mit rund 100 € (für 1m³ Betonschotter, 250 kg Zement und das Schalungsmaterial) der zweit größte Ausgabeposten des gesamten Vorhabens.

Da sich der Eingang auf der Südseite befindet, wurde der von der Stützmauer umgebene Raum später wieder komplett mit Erde aufgefüllt. Einen Teil des Glashauses wollten wir zukünftig auch für unsere Tomaten nutzen, daher haben wir diesen Teil mit Gartenerde aufgefüllt. Für den restlichen Bereich konnten wir einen Teil des Aushubmaterials verwendet und haben später auch noch die alten Pflastersteine verlegt.  

 

 

Tragende Konstruktion

Um den Rahmen des Gewächshauses zu bilden kam nun der alte Dachstuhl zum Einsatz. An den Ecken haben wir 20x20cm starke Pfosten mit einer Höhe von 220cm aufgestellt. Diese kamen auch oben im Quadrat zur Verwendung. Mit den Resten und weiteren Posten in 20x14cm Stärke haben wir die Einrahmung der Fenster gebaut.

 

Fenstereinbau

Die Fenster- und Türrahmen haben wir mit Keilen in der Holzkonstruktion eingerichtet und mit Schrauben verankert. Zur Stabilisierung haben wir die Fenster eingesetzt, bevor wir die Hohlräume zwischen Holz und Rahmen mit 2-Komponenten-Schaum aufgespritzt und damit abgedichtet haben. Mit Holzleisten aller Art (alte Zaunlatten, Verschnitt, Sesselleisten und was sonst noch so alles herumlag) haben wir die Fenster- und Türrahmen abschließend außen und innen verblendet. Einerseits um den 2-K-Schaum vor UV-Licht und Wind zu schützen, andererseits um noch eventuelle Löcher zumindest mit Holz zu verschließen und auch um dem ganzen eine schöne Optik zu geben. 

 

Dachkonstruktion

Für das Dach wählten wir die Form eines Pultdaches mit 8° Gefälle, das entspricht exakt dem Hausdach, mit dem selben Gefälle. Dafür wurde der Deckenrahmen auf der einen Seite entsprechend erhöht und insgesamt 7 Holzlatten im Abstand von je 60 cm aufgelegt. Zum Eindecken haben wir Doppelstegplatten gewählt. Wir haben uns hier bewusst gegen die billigeren Acryl Wellplatten entschieden, weil sie robuster und witterungsbeständiger sind. Diese Ausgabe war die größte Investition, die wir tätigen mussten. Bei einer Größe von 2x3m brauchten wir 2 Platten um das Glashaus mit einem recht guten Überstand decken zu können.

Nachdem das Gewächshaus nun schon drei Jahre steht, bereits eine Schneelast von 30cm ausgehalten hat und bis jetzt keinerlei Abnutzung oder Vergilbung zu sehen ist, war es wohl die richtige Entscheidung.

 

Wandaufbau

Die Teile des Gewächshauses, die nicht verglast sind wurden von Außen nach Innen wie folgt aufgebaut:

  • Holzplatten min. 1 cm stark
  • 5 cm Dämmung
  • Feuchtraum Rigipsplatte (komplett an der Nordwand, der Wetterseite) oder Holzplatten (5 mm) 

Auch hier wurden Abfälle vom Hausumbau aber auch Verpackungsmaterial (zwei Schränke die wir bestellt hatten, waren z.B. in dünne Spanplatten verpackt) als Baumaterial verwendet.

Um die verschiedenen Materialien (Rigips und Holz) vor Feuchtigkeit zu schützen, aber auch um ein ruhigeres Bild im Innenraum zu erzeugen, haben wir alles mit weißer Ölfarbe gestrichen. Ölfarben haben hier den Vorteil, dass man einfach über alle Materialen (inkl. Metall) drüber gehen kann und es gibt biologische für Gewächshäuser verwendbare.

 

Verkleidung

Zu guter Letzt haben wir die Fassade noch mit übrig gebliebener Bitumenbahn beklebt und mit der selben Rautenschalung verblendet, wie sie auch bei unserem Dachausbau verwendet wurde.

 

Thermische Eigenschaften

Da wir das Gewächshaus wie geplant zum überwintern der Terrassenpflanzen verwenden, darf die Temperatur nicht unter 0°C fallen. Im Ersten Jahr haben wir in den kalten Jänner Wochen Grabkerzen verwendet um die Temperatur zu halten. Eine solche Kerzen hat eine Leistung von rund 70 Watt und brennt bis zu 7 Tage. Inzwischen haben wir eine Infrarotheizung mit 300 Watt Heizleistung installiert. Diese ist an die Heimautomation gekoppelt und wird eingeschalten, wenn die Temperatur im Gewächshaus unter 0°C absinkt. Dies ist bei rund -4°C Außentemperatur der Fall. Pro Saison benötigen wir rund 30 - 40 kWh an Energie um das Gewächshaus frostfrei zu halten und das obwohl wir an einem leichten Nordhang wohnen und das Häuschen im Winter schon früh am Nachmittag im Schatten des Nachbarhauses liegt.

Zu unserer großen Freude haben die beiden Olivenbäumchen (ca. 5 Jahre alt), als sie den ersten Winter im Glashaus verbrachten, im Frühling darauf tatsächlich geblüht und im Sommer auch eine kleine Ernte von 200g leckerer Oliven abgeworfen.

Zusätzlich versorgt uns das Gewächshaus von Juli bis November mit Minigurken, Tomaten und dem besten Basilikum. Den ersten Salat und Karotten ernten wir Mitte April. Beides ginge wahrscheinlich noch länger bzw. schon früher, allerdings müssen spätestens im November die Terrassenpflanzen einziehen und diese belegen dann bis ca. März die Flächen.

Im Sommer sind die Fenster Tag und Nacht gekippt und die Eingangstür steht normalerweise offen. Damit kühlt es nachts nicht zu stark ab und tagsüber ist es nicht zu heiß. An regnerischen Tagen reicht es die Tür geschlossen zu halten, sollte es länger kühl sein, schließen wir auch die Fenster. Öffnet man die Fenster komplett, reguliert sich die Temperatur aber auch sehr schnell, wenn es im August dann doch einmal sehr heiß wird. 

 

Homeoffice und After Work Bier/Wein

In der Übergangszeit hat es im Gewächshaus schon um 9 Uhr Vormittags rund 20 °C. Somit ist das Häuschen am Vormittag der perfekt Ort um an der frischen Luft, bei relativ angenehmen Temperaturen zu arbeiten. Auch wenn die Fenster tagsüber maximal gekippt sind bleibt es Abends noch lange warm um den Tagesausklang bei einem Gläschen Wein zu genießen.

 

Alternative Verwendung als U-Bahn Station

Anlässlich der europäischen Mobilitätswoche 2019 haben wir das Gewächshaus zu einer U-Bahn Station umfunktioniert.

https://steiermark.orf.at/magazin/stories/3014380/

https://www.youtube.com/watch?v=Kjo_7-5A5uk